Tourette-Syndrom
Das Tourette-Syndrom ist eine organische neurologische (nervliche) Erkrankung. Kernsymptome sind wiederkehrende motorische und vokale Tics. Tics sind rasche, unwillkürliche und meist unkorrigierbare Muskelzuckungen und Lautäusserungen in wechselnder Häufigkeit, Art und Lokalisation. Zusätzlich können noch AD(H)S, Zwangshandlungen, Zwangsgedanken, Angst und Depression auftreten. Die Erkrankung führt nicht zu einer Beeinträchtigung der intellektuellen Leistungsfähigkeit.
Ursache ist (wahrscheinlich) eine Störung des Zentralen Nervensystems, ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin. Etwas 50 von 100'000 Personen sind betroffen. Die Veranlagung wird vererbt, Jungen sind viermal häufiger betroffen als Mädchen. Auslöser können Infektionen mit Viren oder Bakterien, aber auch Entzündungen des Gehirns sein.
Die Erkrankung beginnt vor dem 18. Lebensjahr, in der Regel zwischen dem siebten und zehnten Lebensjahr mit Bewegungs-Tics, später folgen vokale Tics. Während der Pubertät verstärken sich die Symptome und nehmen zwischen dem 16. und 26. Lebensjahr wieder ab. Bei 70 Prozent kommt es mit der Zeit zu einer Verbesserung, bei schwacher Symptomatik können die Tics vollständig verschwinden.
Auffällig sind die Gesichts-Tics wie Augenblinzeln, Augenkneifen, Verziehen des Mundes, Grimassieren, Zunge herausstrecken, Blinzeln und so weiter. Dazu kommen unwillkürliche Lautäusserungen in unterschiedlichster Ausprägung, angefangen vom Räuspern und Schnauben bis hin zu obszönen Wortbildungen und Nachsprechen von Sätzen oder Wörtern.
Bei motorischen Tics handelt es sich um plötzlich auftretende, meist heftige Bewegungen, die einzeln oder wiederholt auftreten können. Das kann ein plötzliches Strecken oder Beugen des Armes, Zuckungen der Schultern, Kopfrucken etc. sein. Selten sind die Bewegungen so heftig, dass sich der Patient selber verletzt.
Anzahl, Häufigkeit, Ausprägung und Art der Tics sind unterschiedlich, verschwinden plötzlich und treten nach Wochen oder Monaten wieder auf. Psychische Anspannung und Aufregung verstärken die Tics, entspannte Situationen sind aber keine Garantie für Symptomfreiheit. Konzentriert sich der Patient, nehmen die Tics oft ab.
Häufig kommen zusätzliche Verhaltensweisen hinzu: Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsprobleme, Ablenkbarkeit, Schlafstörungen, Lernschwierigkeiten und Depressivität sind als Beispiele zu nennen.
Nichtmedikamentöse Therapien sind wegen der organischen Ursache oft wenig effektiv. Mittel der Wahl sind Neuroleptika, Alternativen GABAerge Substanzen, Dopaminantagonisten, Opiatantagonisten bis hin zu Nicotin als Pflaster oder Kaugummi. Rauchen führt zu keiner Tic-Reduktion. Wegen einer möglichen Auslösung durch Infektionen wird sogar ein Einsatz mit Antibiotika diskutiert. Weil vor allem Neuroleptika bei jedem Patienten anders wirken, muss das geeignete Mittel in Bezug auf Wirkung (Tic-Reduktion) und Nebenwirkung (Müdigkeit) ausprobiert werden.
