ADHS – keine Modeerscheinung
Bei einem Aufmerksamkeits-Defizit (Hyperaktivitäts-) Störung kommen alle Reize ungefiltert im Gehirn an. Alle Reize sind gleich wichtig, es kommt zu einer Reizüberflutung. Die Ursache ist ein Dopamin Mangel im Gehirn, ein Ungleichgewicht der Botenstoffe, welche für die Koordination der Bewegung, die Steuerung der Gefühle, die Leistungsfähigkeit und die Aufmerksamkeit zuständig sind.
In der Schweiz sind schätzungsweise bis sechs Prozent der Kinder betroffen, Jungen häufiger als Mädchen. Wie erkennt man ADHS? Es sind Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, welche aber nicht zwingend sein muss, Desorganisation, Impulsivität, Stimmungsschwankungen, allenfalls ein geringes Selbstwertgefühl und Probleme im sozialen Umfeld. Oft wird ADHS erst im Kindergarten- oder Schulalter richtig wahrgenommen.
Zugrunde liegt ein genetischer Schaden. Suchtverhalten - Alkohol, Nikotin, Drogen - und Stress in der Schwangerschaft, eine falsche Ernährung, exzessiver TV- und Computerkonsum werden als Auslöser diskutiert.
ADHS ist behandel-, aber nicht heilbar. Medikamente können nur die Symptome, nicht aber die Ursache bekämpfen.
Ziel einer medikamentösen Behandlung ist die Wiederaufnahmehemmung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Am verbreitesten dabei ist Methylphenidat, besser bekannt als Ritalin, Concerta, etc., von dem es verschiedene Zubereitungsformen gibt. Kurz wirksame (3-4 Stunden), mittelfristig (6-8 Stunden) und lang wirksame (12 Stunden) Präparate. Die Verordnung sollte auf einer gesicherten Diagnose basieren und begleitende Massnahmen fussen und nicht als Antriebsdroge missbraucht werden.
Nicht medikamentöse Interventionen sind das Training des Umfeldes (Eltern, Lehrer, etc.), eine Verhaltenstherapie (Psychotherapie), Physiotherapie (z.B. mit Pferden) oder Nahrungsergänzungsmittel. Beispiele dazu sind Omega-3-Fettsäuren, orthomolekulare Substanzen, Zink, Vitamin-B-Komplex und Diäten, vor allem der Verzicht auf zu viel Süssigkeiten. Lebensmittelzusatzstoffe sollten vermieden werden. Als Ergänzung zur schulmedizinischen Therapien sollen homöopathische Mittel hilfreich sein.
Ein Behandlungsentscheid soll sorgfältig abgewogen und nicht aus weltanschaulichen Gründen von vornherein ausgeschlagen werden. Es geht letztlich um die Zukunft des Kindes in Bezug auf die Schule und seiner sozialen Entwicklung.
